Controlling 21

Dr. J. Schuhmacher

vg

Mobiltauglich - Mobilegeddon

Mit zunehmender Verbreitung der Mobilgeräte wird deren Einsatz auch zum Abrufen von klassischen Internet-Seiten zunehmen und vermutlich irgendwann auch den heute noch immer überwiegend stationären Einsatz des Abrufes von Internet-Seiten am PC überholen oder langfristig sogar gänzlich ablösen.

Google drohte im Frühjahr 2015 allen Betreibern von Internet-Seiten mit dem neuen Update Mobilegeddon, das es tatsächlich zum 21. April 2015 einführte. Das martialisch klingende Wort Mobilegeddon, das an den Weltuntergang (Armageddon) erinnert, könnte für einige Betreiber von Internet-Seiten tatsächlich eine extreme Benachteiligung bedeuten.

In diesem Artikel erfahren Sie, welche extremen Anforderungen Google an Ihren Internet-Auftritt stellt, und wie Sie diese Anforderungen an Mobiltauglichkeit erfüllen können. Mit Praxisbeispielen zum Kopieren.

Responsive Design / Liquid Design / Fluid Design

Im Grunde genommen ist die Lösung dafür ganz einfach und wurde schon früher von Internet-Ergonomie-Spezialisten angewandt: Responsive Design / Liquid Design / Fluid Design. Hierunter versteht man ein Seiten-Layout, das sich der Breite des Monitors / Anzeigegerätes und des verwendeten Browser-Fensters automatisch anpasst. - Reduzieren Sie hierzu als Beleg doch einmal Ihr jetziges Browser-Fenster (vor allem in der Breite) und beobachten Sie, wie sich meine Seite darin automatisch anpasst.

Eigentlich wäre es das schon gewesen, wenn da nicht zwei Dinge hinzukommen würden:

  1. Die oft miserable Anbindung vieler mobiler Geräte (insbesondere Smartphones und Mobiltelefone in den USA) an das Netzt, mit Transferraten, welche einen an das Internet der 1990er Jahre erinnern und somit die heute überall verwendeten Fotos zum Problem werden lassen.
  2. Die Unfähigkeit bzw. der Unwille Googles, realistische Standards und einheitliche Testmethoden zur Klassifizierung von Mobiltauglichkeit zu verwenden.

Googles Machtmissbrauch

Inzwischen dürfte jeder Besitzer von Internet-Seiten bereits die folgende E-Mail von Google erhalten haben:

Abgesehen davon, dass diese E-Mail von meinem E-Mail-Programm als Phishing-/Betrugsversuch eingestuft wurde, können viele Deutsche wohl nicht so gut Englisch, um die weitreichenden Implikationen zu verstehen. Das klingt ja auf den ersten Blick auch nicht so schlimm.

Nur selten erhält man diese E-Mail auf Deutsch. Dann lautet der Text:

  1. Google wird allerdings jede solche Einzelseite und damit vor allem auch den Gesamtauftritt bereits im Suchergebnis als ungeeignet brandmarken. Die meisten unbedarften Nutzer dürften dies mit gefährlich verwechseln, und folglich derartige Seiten meiden. - Die ist unabhängig von der nachträglich veröffentlichten Aussage Googles, dass man angeblich nur Einzelseiten abstraft, und nicht den gesamten Auftritt. De facto ist und bleibt es so, dass kein normaler Nutzer, einen Auftritt besuchen wird, zu dem er immer wieder für Einzelseiten den Hinweis erhält, das er ungeeignet sei. Hier handelt es sich dennoch um eine pauschale Rufschädigung. Schließlich denken Menschen auch nicht differenziert, wenn bekannt wird, dass bei einer Automarke bei einem Modell die rechte Hinterradbremse nicht geeignet ist, bei einem anderen Modell die Lenkung, bei einem weiteren Modell der Motor und bei noch einem Modell der Sicherheitsgurt. Der Schaden betrifft die gesamte Firma mit allen Produkten.
  2. Im Internet kursieren Gerüchte, dass Google sogar Pläne haben soll, demnächst derartige Seiten nicht mehr bezüglich des Inhaltes zu ranken. D.h. auch wenn Sie den besten Inhalt der Welt besäßen, würden Sie nicht mehr auf der ersten Trefferseite von Google erscheinen. Bereits das Verschieben auf die 2. Trefferseite würde einen erheblichen Einbruch bezüglich der Abrufzahlen bedeuten. Spätestens ab Seite 5 schauen überhaupt nur noch wenige Menschen nach.
  3. Im Internet kursieren ferner Gerüchte, dass Google sogar Pläne haben soll, später derartige Seiten überhaupt nicht mehr zu listen. Das würde bedeuten, dass Sie komplett ausfallen und nie mehr über Googles Suchmaschine gefunden werden könnten.
  4. Seit 21. April 2015 hat Google begonnen, aus seiner Sicht für Mobilgeräte nicht geeignete Seiten schlechter zu ranken, also in Suchergebnissen wesentlich weiter unten anzuzeigen. Dies bedeutet, dass auf Mobilgeräten guter Inhalt weit hinter schlechtem Inhalt, preiswerte Produkte weit hinter teuren rangieren, seriösen Inhalte hinter kriminellen. Kriterium für die Anzeige bei Suchen auf Mobilgeräten soll nun in erster Linie die vage Mobiltauglichkeit von Google sein.

Und um dies gleich vorweg zu nehmen und Ihnen Anfragen dazu zu ersparen: Angesichts des bisherigen Verhaltens der Firma Google halte ich dies für nicht nur möglich, sondern für wahrscheinlich.

Wenn Google diejenigen Internet-Auftritte, welche die firmeneigenen Mobilitätsanforderungen erfüllen, mit einem grünen Stern etc. zusätzlich kennzeichnen würden, also einem Bonussystem, wäre hiergegen nichts einzuwenden. Aber so handelt es sich um eine Diskriminierung und Zensur.

Willkürliche Festlegungen Googles

Selbstverständlich kann eine internationale Dachorganisation - wie die ISO - International Organization for Standardization - weltweite Ergonomieregeln festlegen. Diese werden in vielen Gremien weltweit besprochen und ausgiebig diskutiert, bevor sie schließlich in einen Standard münden. Dieser ist manchmal durchaus anspruchsvoll und somit keineswegs der immer wieder behauptete kleinste gemeinsame Nenner. Denn diese Fachleute wissen durchaus, was sinnvoll, zeitgemäß und realistisch umsetzbar ist. Aber vor allem handelt es sich um einen demokratisch abgestimmten und durch die Staatengemeinschaft legitimierten Vorgang.

Bei Google ist das jedoch in allen Punkten anders:

Im Folgenden finden Sie Belege dieser Statements mit Fakten und Erklärungen der weitreichenden Konsequenzen für Internet-Betreiber. Dazu liefere ich Ihnen jeweils Lösungsvorschläge und realistisch umsetzbare Empfehlungen.

Willkürliche Pixelbreite

Für Google wäre es bereits bei der Suchanfrage eines Nutzers sehr wohl möglich, dessen (Mobil-) Gerät sowie dessen Bildschirmbreite (im Hoch- und Querformat) zu erkennen, und ihm dann die Seiten sowie Such-/ Trefferergebnisse individuell aufbereitet anzubieten. Nutzer mobiler kleinster Geräte würden dann eben weniger Seiten als optimiert für Sie angezeigt erhalten. Aber hier werden alle Mobilgeräte über einen Kamm geschoren, bzw. gnadenlos in ein von Google willkürlich dimensioniertes Prokrustesbett gezwängt.

Und der Gipfel der Unverfrorenheit ist, dass Google für die eigene Unfähigkeit auch noch jedem einzelnen Internet-Anbieter die Schuld in die Schuhe schiebt.

Seit April 2015 mehren sich Anzeichen und Gerüchte, dass Google diese Breite von 320 Pixeln bewusst gewählt hat, weil es selbst eine Armbanduhr (Wearable Internet) herausbringen möchte, die nur diese Breite als Anzeigefläche bietet. Selbstverständlich könnte man heute mehr Pixel auf eine derartige Fläche packen. Aber das wäre teurer. Und Google scheint offensichtlich mit einer relativ preiswerten Variante den Markt erobern und dominieren zu wollen. Dies wäre ein Machtmissbrauch sondergleichen. Eine Firma legt vorab willkürlich einen nur ihr passenden Standard fest, um dann anschließend ihre Marktmacht noch weiter ausbauen zu können. - Zum Verständnis: Würden keine Seiten oder nur wenige auf der kleinen Google Watch angezeigt werde, dann würde selbstverständlich kaum jemand diese Armbanduhr kaufen. D.h. hier wird der gesamte Weltmarkt dem eigenen Produkt angepasst, nicht das Produkt den Bedürfnissen der Welt.

Empfehlungen

Zwei sich widersprechende Test-Werkzeuge

Falsche Analyseergebnisse

Hinzu kommt, dass Googles Test-Software PageSpeed permanent falsche bzw. völlig irreführende Angaben macht.

Die andere Test-Software (Test auf Optimierung für Mobilgeräte) spielt jedoch die Mimose:

Komprimier-Werkzeuge

Wer die Pack- und Komprimier-Werkzeuge von Google nicht verwenden will findet hier einige kostenlose Tools:

CSS

JavaScript - JS

HTML

Fotos und Grafiken

Grundprobleme Bildgröße, Bildqualität und Ladezeit

Hinzu kommt, dass Googles Testprogramme im Frühjahr 2015 alle mir bekannten Techniken zur optimalen Auslieferung von kleineren Bildern ignorierten oder falsch interpretierten.

Googles falsche Bild-Analyse

Googles Test-Tool PageSpeed Insights, das von Google selbst in den E-Mails und im Internet explizit zur Optimierung der Seiten auf Mobiltauglichkeit angepriesen wird, versagt in fast allen relevanten Punkten für Bilder:

Als Programmierer würde ich mich schämen, so eine unausgereifte Bananen-Software auf die Kunden loszulassen. Reift beim Anwender - Vielleicht in vielen Jahren.

HTML-5

Adaptive Images

Empfehlungen

Dennoch gilt für alle Internet-Auftritte noch immer:

Google missachtet den HTML-Standard

Empfehlungen

Googles Forderung nach versetztem Laden mittels defer und async

Da Googles Test- und Messwerkzeuge offensichtlich nicht mit Inhalten klarkommen, die nacheinander geladen werden, aber gemäß der Definition von Google früher benötigt werden, fordert Google das versetzte Laden mittels defer und async.

Empfehlungen

Cache und Proxy-Einstellungen

Fest jeder erhält die folgende Fehlermeldung Browser-Caching nutzen
Das Festlegen eines Ablaufdatums oder eines Höchstalters in den HTTP-Headern für statische Ressourcen weist den Browser an, zuvor heruntergeladene Ressourcen über die lokale Festplatte anstatt über das Netzwerk zu laden.

Empfehlungen

Sämtliche Geräte - das hat mit Googles großspurig vertretenen Mobilitätskriterien überhaupt nichts zu tun - stellen Inhalte schneller dar, wenn sie bereits von früheren Aufrufen noch im Zwischenspeicher des eigenen Browsers abgelagert sind. Dazu kann es im Einzelfall von Vorteil sein, vieles lange dort speichern zu lassen.

Komprimierung

Gute Provider komprimieren alle Daten automatisch beim Versenden. Bei anderen haben Sie oft keine Chance dies einzustellen, da dann meist auch der Zugriff auf die .htaccess fehlt.

Die Fehlermeldung bei Google lautet:

Fügen Sie für deflate auf Ihrem Server in der .htaccess folgende oder ähnliche Inhalte ein:

Alternativ fügen Sie für gzip auf Ihrem Server in der .htaccess folgende oder ähnliche Inhalte ein:

Googles Arroganz

Sinnvolle Optimierungen

Generell stellt sich die Frage: Wie weit soll man seine eigenen Internet-Seiten auf Googles Test-Werkzeuge hin optimieren.

Gesunder Menschenverstand

Wenn schon Google und deren Mitarbeiter in Punkto Mobilitätskriterien jeglichen Bezug zur Realität verloren haben, so behalten Sie ihn bitte.

Runderneuerung

Allerdings gelten auch folgende Details:

Fragen

Ihren eventuellen Fragen schenke ich gerne meine Aufmerksamkeit.

Bitte haben Sie jedoch auch Verständnis dafür, dass ich Ihnen weder eine kostenlose Analyse Ihres Auftrittes, noch eine kostenlose Restrukturierung Ihres alten Auftrittes anbieten kann.

Ferner bitte ich alle Mitarbeiter(innen) von Google und deren bezahlte Schreiberlinge sowie Claqueure von den üblichen Flames, wie das kann nicht sein, das stimme nicht Google wäre wunderbar / perfekt etc. abzusehen. Ich habe diese Dinge vor Zeugen wochenlang mit verschiedenen Systemen getestet.

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